#News - Leben Freizeit Kultur

Weihnachten mit Sonne, Grillen und Pool – Weihnachten im Ausland

Katharina, Franka und Laura aus unserem Redaktionsteam haben alle ein Auslandsjahr gemacht. In den nächsten Tagen werden sie uns davon erzählen, wie man eigentlich in Chile, den USA und Irland Weihnachten feiert. Heute fängt Katharina mit Weihnachten im sonnigen Chile an.

Vor einem Jahr war mein Leben ganz anders als heute. Ich war im letzten Schuljahr für 10 Monate in Chile. Währenddessen habe ich in einer Gastfamilie gewohnt und viel über das Land und die Traditionen dort gelernt.  Weihnachten war sicherlich eine der Zeiten, in der mir die Unterschiede zwischen Chile und Deutschland am stärksten aufgefallen sind. Vor meiner Reise nach Chile habe ich viel überlegt, wie es sein könnte und von jedem erzählt bekommen, „dass Weihnachten anders sein wird und ich Heimweh bekommen werde aber es ja auch eine der spannendsten Zeiten in meinem Austausch sein wird“. Dabei habe ich, ehrlich gesagt, im Dezember und an den Weihnachtstagen selber wenig darüber nachgedacht, wie bedeutungsvoll dieses Weihnachten für mich war und immer sein wird.

Es gab so vieles, dass anders als in Deutschland war, dass ich fast vergessen habe, dass dort das gleiche Fest wie in Deutschland gefeiert wird. Jeden Tag im Dezember war es bis zu dreißig Grad warm, morgens war es aber immer sehr kalt. Deswegen bin ich jeden Tag dick eingepackt zur Schule gegangen, wo es auch immer sehr kalt war. Wenn ich nachmittags aus der Schule gekommen bin, habe ich mir dann erst mal alle meine Jacken ausgezogen, und sah dann auf dem Nachhauseweg so aus, als ob ich umziehen würde, weil ich so viel Kleidung dabei hatte. Über diese ganze Aufregung habe ich dann völlig vergessen, dass es aus Gewohnheit kalt sein müsste. Die Wärme war zwar sehr schön, andererseits war es dadurch für mich aber schwer, mich irgendwie weihnachtlich zu fühlen.

Außerdem wird in Chile der Advent wenig gefeiert, was ich sehr schade finde. Meine „echten“, deutschen Eltern haben mir Anfang Dezember ein Paket mit Weihnachtsschmuck und einem Adventskalenderbuch geschickt. Jeden Tag habe ich also eine schöne Geschichte gelesen und an einem Weihnachtsstern aus Papier gebastelt, und so zumindest etwas Bekanntes um mich gehabt. Leider werden sehr wenige Lieder gesungen, und das habe ich bestimmt am meisten vermisst.

Heiligabend haben wir zusammen in der Familie verbracht. Meine  Gasteltern sind nicht in die Kirche gegangen, was ich sehr schade fand, da ich gerne einen chilenischen Weihnachtsgottesdienst besucht hätte. Viele chilenische Familien sind sehr religiös, aber meine eher nicht. So haben wir dann viel Zeit damit verbracht, die letzten Geschenke zu verpacken und ein großes Essen vorzubereiten. 

Insgesamt war ein sehr merkwürdiger und schöner Tag. Der Weihnachtsbaum war ungewohnt, aber wir haben die Geschenke trotzdem erst daruntergelegt und sofort schon wieder ausgepackt. Abends haben wir dann zusammen im Garten gegessen. Für mich war es das erste Mal, dass wir an Weihnachten gegrillt haben, für meine Familie war es aber völlig normal. Eine alte Tradition in Chile ist, dass unverheiratete Männer, mit Trommeln beladen, durch die Straßen ziehen. Vor einigen Häusern führen sie dann einen Tanz auf, singen und begleiten sich selbst auf ihren Trommeln dazu. Auch das haben wir gesehen, sehr überraschend und für mich unvergesslich.

Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir zu den Großeltern gefahren, bei denen ich dann bis Silvester war. Ihr Weihnachtsbaum war zwar aus Plastik und wurde schon Mitte November geschmückt, aber  mich hat er sehr an Deutschland erinnert. Auch dort haben wir oft gegrillt, ich war jeden Tag im Pool in ihrem Garten und habe möglichst viel Zeit in der Sonne verbracht.

Im Rückblick kann ich sagen, dass ich dieses andere Weihnachten sehr genossen habe. Für meine Familie war es ein Tag, an dem wir viel Zeit miteinander verbringen konnten, das Wetter war traumhaft und ich konnte die entspanne, nachdem ich vorher in der Schule die wichtigen Abschlussprüfungen mitgeschrieben hatte. Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Jahr wieder mit meiner Familie und mit allen Traditionen feiern kann. Trotzdem gibt es meiner Meinung nach nichts Schöneres, als mal aus den Gewohnheiten auszubrechen und spannende, neue Dinge zu erleben.

(Text: Katharina Schwerdt Fotos: Privat)

Hinterlasse einen Kommentar