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Merry X-Mas: Weihnachten mal anders – Weihnachten im Ausland

Da mehrere unserer Redaktionsmitglieder ein Auslandsjahr gemacht haben, dachten wir uns, wir teilen unsere Erfahrungen mit euch. Starten wollen wir mit Weihnachten. Wie haben wir Weihnachten erlebt in Irland, Chile und den USA.

Vorweg möchte ich gerne sagen, dass mit Sicherheit jeder Austauschschüler Weihnachten anders erlebt, selbst wenn man im gleichen Land ist. Deswegen sind das hier keine allgemeinen Berichte, sondern persönliche Erfahrungen.

Ich habe 2015/2016 ein Auslandsjahr in einem Vorort von Kansas City, Kansas in den USA gemacht.

Ähnlich wie in Deutschland beginnt Weihnachten schon viel früher. In meiner Gastfamilie begann es wenige Tage nach Thanksgiving, also Ende November/ Anfang Dezember. Es wurde sich der ganze Sonntag zum dekorieren freigehalten und alle mussten helfen. Zuerst einmal haben wir einen Weihnachtsbaum gekauft: Dazu fährt man Sonntagnachmittag mit dem Pick-up Truck einfach mit der ganzen Familie zum Baumarkt des Vertrauens und sucht sich einen aus. Wir Kinder mussten die guten immer festhalten und mein Gastvater rannte von einem zum anderen bis er den für ihn perfekten Baum gefunden hatte. Ihr glaubt gar nicht, wie erleichtert ich war, dass wir einen echten Baum hatten und keinen künstlichen aus Plastik! Zurück zu Hause musste der Baum erst einmal ins Haus geschafft werden. So einen großen Baum hatte ich noch nie! Dann begann das große Schmücken und Dekorieren. Wir haben dafür bestimmt 3 Stunden gebraucht. Lichterketten, Kugeln, aber vor allem Plastikchriststerne. Zu erst war ich etwas skeptisch, überall in den Baum Christsterne zu stecken, aber ich fand es am Ende echt schön.

Unsere Outdoor-Deko war zum Glück auf 1-2 Lichterketten reduziert. Das ist allerdings nicht typisch amerikanisch. Eines Nachmittags sagte mein Gastvater: “Kommt, wir fahren jetzt mal in den Stadtteil, der bekannt für die Weihnachtsdeko ist”. Keine fünfzehn Minuten später fand ich mich in einem Lichtermeer wie auf der Kirmes wieder. Überall blinkte es und leuchtete es in allen erdenkbaren Farben. In fast jedem Baum saß Santa Claus oder wenigstens ein Rentier oder Engel. Ich war sprachlos. Allerdings wusste ich nicht, ob ich es schön oder einfach nur hässlich und kitschig finden sollte – ich war ein wenig überwältigt. Um nicht als Stimmungskiller zu gelten, habe ich mal die Gedanken über Stromverschwendung für mich behalten. Weihnachten soll ja schließlich eine besinnliche Zeit sein, und die meisten Amerikaner haben es ja nicht so mit Klimawandel oder Stromsparen. Naja, zurück zur Geschichte: Meine Gastmutter hat uns erzählt, dass man sich, wenn man in diese Gegend zieht, verpflichte dass man im Winter ganz viel dekorieren muss. Es war auch echt viel los, gefühlt war die ganze Stadt dort.

Auf dem Rückweg sind wir noch auf einen Parkplatz auf einem kleinen Hügel gefahren. Von dort aus hatte man einen super Blick auf mehrere Häuser und einen großen Garten. Natürlich war auch da alles beleuchtet und dekoriert. Aber die eigentliche Attraktion war, dass die Lichter  passend zur Musik getanzt haben. Dazu musste man einfach im Radio einen bestimmten Sender anmachen. Es war echt witzig und schon ziemlich weihnachtlich.

Ein anderes Mal hat mich die Familie von einer Freundin gefragt, ob ich mit ihnen durch einen Lichter-/ Aktionspark fahren möchte. Wir standen dann erstmal zwei Stunden im Stau, um dann 45 Minuten durch einen Themenpark zu fahren. Santa Claus in allen erdenklichen Situationen – auf der Achterbahn, auf einem Surfbrett, etc. und natürlich wieder im Rhythmus der Radiomusik. Es hatte aber echt was. Ich habe so was noch nie in Deutschland erlebt oder davon gehört. Es wurde immer als “Drive-through Winterwonderland ” beschrieben und diese Beschreibung passt perfekt. Ein Drive-Through durch ein Lichterparadies. 

Am 24.12, also Heiligabend, passierte erstmal nicht so viel. Meine Gastmutter hat mich früh geweckt, da sie gebrannte Mandeln und Pecannüsse gemacht hat, und feststellte, dass sie damit nicht fertig werde und zur Arbeit muss.  Also sah mein Vormittag erstmal darin aus, dass ich gebrannte Mandeln gemacht habe, was für mich etwas neues war. Den Rest des Tages standen meine Gastmutter und ich in der Küche und haben das Haus geputzt. Abends gab es dann ein gutes Essen. Anschließend waren wir in der Kirche. Meine Gastfamilie ist christlich- methodistisch. Es war ein wunderschöner Gottesdienst. Viele Lieder, die wir gesungen haben, singen wir genauso in Deutschland. Besonders geprägt hat mich der Moment, als alle Lichter ausgemacht wurden und der Pfarrer mit einer großen Kerze rein kam. Vor dem Gottesdienst hat jeder Besucher eine Kerze bekommen und so wurde das Licht dann weitergereicht und jeder hat seine Kerze angezündet. Es war wunderschön und ich war positiv überrascht, dass so was in den USA möglich ist und nicht als zu gefährlich gilt.

Zurück zu Hause durften wir unsere Stockings, also unsere Socken am Kamin, auspacken, denn dort hat Santa Claus schon eine Kleinigkeit versteckt. 

Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden und haben Geschenke ausgepackt: Es war wunderschön, aber das Gefühl morgens Geschenke auszupacken war dennoch ungewohnt für mich. Anschließend haben wir gefrühstückt und sind dann zu meinen Gastgroßeltern gefahren, welche 2 Stunden weg wohnen. Dort gab es dann das eigentliche Festessen, ähnlich wie an Thanksgiving. Truthahn, Reis, Kartoffelgratin, viel Gemüse, zig Salate, alles etwas deftig und viele verschiedene Nachtische. Es war richtig lecker. Da wir insgesamt circa 20 Leute waren und sowieso nicht an einen Tisch passten, hatten wir das ganze als Buffet aufgebaut.

Nachdem auch hier noch mal Geschenke überreicht wurden, sind wir nach drei Stunden auch schon wieder zurück gefahren. Für die Amerikaner vollkommen normal! Nachmittags haben wir alle erstmal einen Mittagsschlaf gemacht und abends einen Film zusammen geguckt. Das war wunderschön, weil wir selten was mit der ganzen Familie gemacht haben.

Das war es aber auch schon wieder mit Weihnachten. Es war wunderschön und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Viele haben mich gefragt ob ich während Weihnachten Heimweh hatte. Nein, hatte ich nicht. Während dem Jahr hatte ich immer mal wieder Heimweh, aber nicht an Weihnachten. Ich war einfach so gespannt, wie Weihnachten sein wird und ich wusste, dass ich Weihnachten in Deutschland ja bereits kannte. Das klingt total blöd, aber dadurch, dass ich so gespannt war, hatte ich gar kein Heimweh.

Jetzt fragt ihr euch bestimmt noch eins: Hat es an Weihnachten geschneit? Nein, leider nicht, dafür aber im Januar!

(Text: Franka Lohmann Fotos: Privat)

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