#News - Leben Archiv Freizeit Kultur

Dodie Clarks ‘You’ Tour in Köln – Konzertbericht

Unser Redaktionsmitglied Tessa war letzte Woche mit einer Freundin beim Konzert der britischen Sängerin Dodie Clark. In ihrem Artikel berichtet sie, wie dieses war.

“Dodie, Dodie, Dodie, Dodie”. Das Luxor ist gefüllt mit jungen Mädchen in gelben Kleidern, Hipster-Overalls und Graphic-Tshirts, die aufgeregten Gesichter voller Glitzer und die Haare in kindlichen Zöpfen verziehrt mit Blumen. Der Opening Act, ein deutsche Sängern namens Paul Weber, hat vor einigen Minuten die Bühne verlassen und jetzt sind alle bereit für die Sängerin, für die sie hier sind: Dodie Clark, die Ukulele-spielende Singer-Songwriterin aus London, oder eben auch aus YouTube. Diese war noch backstage und reinigte ihre Zahnspange – wie sie parallel zum rufen ihres Namens auf Twitter vermerkte. 

Doch einige Minuten später war es dann soweit – erst trat der Violinespieler Will auf die Bühne, dann die Cellistin Sophie und schließlich lief Dodie, samt Ukulele, auf und stimmte den ersten Song – ‘Would You Be So Kind’ – an. Ihre Stimme hörte man dabei kaum – sie wurde übertönt von 500 anderen Stimmen, die jedes Wort zu kennen scheinten und nicht nur Dodies Part, sondern auch die Background-Vocals mitsangen.

Inmitten all dieser Mädchen stand ich. Ich hatte die Haare zwar nicht in Zöpfen, aber eine ordentliche Portion Glitzer hatte mir Pia, ein Mädchen dass ich vor der Show in der Reihe kennengelernt hatte, im Gegenzug zu goldschimmernden Eyeliner verpasst, womit ich in der dritten Reihe kein bisschen auffiel. Jedes Wort kannte ich auch – und einige der Mädchen um mich rum, welche mit mir zusammen schon seit nachmittags anstanden, um uns gute Plätze zu sichern.

Meine Freundin Laura und ich waren seit kurz vor 5 in der Schlange, die Nummern 39 und 40, welche in Edding auf unsere Hände gekritzelt waren, markierten als wievielte wir angekommen waren. Die Nummern eins bis fünf standen schon seit neun Uhr morgens an – die eine hatte angeblich ein Vorstellungsgespräch, die andere war wohl schrecklich krank und konnte deswegen nicht zur Schule gehen. Es war 6 Grad und auch eingewickelt in Decken froren wir außerhalb des Clubs, was an ein Lyric von Dodie erinnerte – ‘Shiver, but shiver with a friend’. Auch wenn ich vor Donnerstag niemanden in der Reihe außer Laura kannte, fühlte es sich genauso an. Nicht nur gemeinsame Aufregung für die Show verband uns mit den anderen, sondern bald auch all die anderen Sachen über die wir redeten. Ich stand schon mehrmals Stunden vor Konzerten vor den Arenen, um mir einen guten Platz zu sichern. Auch normalerweise sind alle in den Reihen mehr oder weniger miteinander befreundet, aber es gibt ein unausgesprochenes Verständnis, dass wenn die Türen sich öffnen es vorbei mit Solidarität ist und alle auf sich allein gestellt sind. Nicht aber bei diesem Konzert: Ein Mädchen lief durch die Reihe und verteilte vegane Schokoladencupcakes, ein anderes begrüßte jeden, der neu in die Reihe kam und gab ihnen Stifte und Papier für eine Fanaktion, die sie plante. Eine Prideflagge, welche später an Dodie gegeben wurde, wurde rumgereicht und von allen unterschrieben. Mindestens 5 verschiedenen Mädchen trugen sich gegenseitig meinen goldenen Eyeliner auf. In der Venue blieben wir zusammen und probierten zusammen Pia wiederzufinden, welche gemeinsam mit Laura zur Gaderobe lief und aber nie wiederkehrte. Kaum jemand drängelte und schubste, Leute konnten auf Toilette gehen und ihren Platz wiederkriegen, Kleinere wurden vorgelassen, um mehr zu sehen. Alle waren genauso aufgeregt wie bei anderen Konzerten, bei denen ich war, aber um einiges netter.

Während des ganzen Konzertes wurde ich an etwas erinnert, was ich fast vergessen hatte: Was für ein talentierter Songwriter Dodie eigentlich wirklich ist. Ihre glücklichen Liebeslieder und der bitter-süße Ton vom Paris-inspirierten ‘You’ luden zum mitsingen ein, ihre traurigen Balladen – die zu einem Dodie-Konzert dazu gehören, wie sie selber bemerkte – zum mitweinen. Einer meiner Lieblingsmomente des Konzerts war, als Dodie die Zeile ‘There are a hundret people who will listen to you cry’ sang, und man in einer kleinen Pause das kollektive geschniefe des halben Publikums hören konnte.

Nach dem Konzert passierte dann ein weiteres Highlight für mich: Da wir unseren Zug knapp verpasst hatten und eine ganze Stunde auf den nächsten warten mussten, entschieden wir uns im Dönerladen neben dem Club Getränke zu kaufen und an der Venue zu bleiben, in der Hoffnung vielleicht noch einen Blick auf Dodie werfen zu können, wenn sie in den Tourbus eintritt. Zur Überraschung aller – inklusive eines Security Manns, der vor mir murmelte, dass das anders geplant war – nahm sich Dodie Zeit für all die Fans, die noch vor der Venue warteten. Sie signierte Cds, Shirts und Ukulelen, machte Selfies und hörte sich den Wortsalat von Komplimenten an, der aus ihren aufgeregten Fans – ich bin keine Ausnahme – rauskam.

Das Konzert war trotz seiner vergleichbar simplen Bühnenshow eines der besten auf denen ich je war. Die größe des Luxors, mit einer Kapazität von etwa 500 Leuten, gab dem ganzen eine Intimität die man nicht immer hat und obwohl Dodies Set etwas kurz ausgefallen ist – dies ist eine der ersten Touren, auf denen sie headlined – gefiel es mir unglaublich gut. Wenn Dodie nochmal nach Deutschland kommt, werde ich auf jeden Fall dabei sein und ich kann es jetzt schon kaum erwarten.

(Text & Bilder: Tessa Sählbrandt)

Hinterlasse einen Kommentar