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Comic-Kursleiter Gianni Düx im Interview

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©Gianni Düx
Gianni Düx

Gianni Düx©Gianni Düx

Gianni Düx ist 40 Jahre alt und leitet den Comic-Kurs für das Quartiersmanagement Lohberg. Er ist in Dinslaken-Lohberg aufgewachsen und hat den größten Teil seines Lebens dort verbracht. Nach dem Abitur hat er vieles angefangen, darunter drei geisteswissenschaftliche Studiengänge, arbeitete in zwei Plattenläden und auch in einem Designbüro. Irgendwann hat er beschlossen – soweit das geht – nur noch von Illustrationen und Grafiken zu leben.

Gianni, wie bist du zum Zeichnen gekommen?

Als Kind und Jugendlicher habe ich ganz viel gemalt und gezeichnet. Irgendwann habe ich dann gesagt: „Ich will Maler werden!“ und mir haben alle gesagt, dass man vom Malen nicht leben kann. Den Kindern erzähle ich immer, dass es Berufe gibt, in denen man grafisch arbeiten und davon leben kann. Ich habe so ungefähr mit 13 die Lust an der Kunst verloren. Das ist eigentlich ein recht klassisches Alter dafür, was was u.a. mit Schulzwängen zu tun hat. Ich persönlich hatte im Kunstunterricht nicht den Eindruck gefördert zu werden. Im Gegenteil. Und Spaß haben die Lernangebote dort selten gemacht. Dann habe ich ungefähr 15 Jahre nicht gezeichnet und vor ungefähr 10 Jahren wieder angefangen. Das hatte sehr stark damit zu tun, dass ich Comics/Graphic Novels für mich entdeckt habe. Persepolis fand ich toll. Das ist ein autobiographischer Comic über eine junge Frau, die zwischen dem Iran und Österreich aufwächst. Marjane Satrapi heißt die Autorin. Mich hat dieser biographische Aspekt begeistert und dadurch habe ich wieder angefangen zu zeichnen.

Kamel solo

Kamel solo©Gianni Düx

Anfangs waren meine Zeichnungen sehr schablonenhaft, aber mittlerweile glaube ich, ein ordentliches Niveau erreicht zu haben. Mit der Zeit habe ich mir immer mehr Ansätze eines eigenen Stils und einige handwerkliche Skills erarbeitet.

 

Wie ist der Comic-Kurs für das Quartiersmanagement entstanden?

Mein Vater, der hier in Lohberg Gemeindepfarrer war, ist vor 2 Jahren gestorben. Dadurch bin ich dann wieder sehr viel in Dinslaken bei meiner Mutter gewesen und ich hatte überlegt, dort eine Ausstellung zu machen. Ein Bekannter hat mir die Blaue Bude in Lohberg empfohlen und da habe ich angefragt. Mittlerweile habe ich zwei Ausstellungen in Dinslaken gemacht, die von der Blauen Bude komplett oder teilweise organisiert worden sind  Davor gab es ein Treffen, wo zehn Leute mit mir zusammensaßen, sich meine Sachen angeguckt haben und Lisa Reinemann vom Quartiersmanagement war auch da. Sie war ganz angetan und wir haben Ideen gesponnen Sie hat mich ins Büro des Quartiersmanagements eingeladen und wir waren uns schnell einig, gemeinsam diesen Kurs zu organisieren.

Wen möchtest du damit ansprechen und was kann man in deinem Kurs lernen?

Zurzeit habe ich Teilnehmer*innen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Dieses Altersspektrum bildet auch meine Zielgruppe. Es ist überhaupt nicht wichtig, ob man irgendwelche Vorkenntnisse mitbringt – es geht darum Spaß zu haben. Ich möchte den Teilnehmer*innen technische Skills näherbringen. Auch möchte ich Ideen vorstellen und den Blick dafür weiten, wie man mit Kunst Themen reflektieren kann. Comics sind meiner Auffassung nach eine Kunstform. Bezüglich des Publikums, das ich anspreche, bin ich sehr offen.Ich freue mich über alle, die teilnehmen.  

Was ist dir besonders wichtig den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln?

Gottesanbeterin

gottesanbeterin©Gianni Düx

Der Ansatzpunkt  ist zunächst ein künstlerischer. Mir ist es wichtig, Spaß an Malerei und am Zeichnen zu vermitteln. Wichtig ist ab und zu – ob durch die Hintertür oder sogar mal durch eine Theorieeinheit – auch handwerkliche Fähigkeiten weiterzugeben. Mir ist total wichtig, dass wir nicht in der Schule sind und dass ich keine Autoritätsperson bin. Es zusammen Spaß zu haben und ich glaube, wenn man als Erwachsener Kindern respektvoll und auf Augenhöhe begegnet, dann kann das auch positive Impulse setzen für größere Themen. Mit künstlerischen Mitteln den Kindern näher zu bringen, dass Demokratie ein Wert ist.

Der Kurs kann derzeit nur online stattfinden. Ist es dadurch schwieriger geworden, oder gibt es Sachen, die vielleicht einfacher sind?

Es ist auf jeden Fall anders und ich finde es insgesamt erst einmal stressiger. Es ist einfacher, wenn man vis-à-vis miteinander arbeitet, bestimmte Schwingungen oder Ähnliches wahrzunehmen. Wer ist unzufrieden? Wo hakt es bei der Aufgabe? So muss ich immer zwischen vier bis sieben Fenstern bei Jitsi springen. Damit es irgendwie übersichtlich bleibt, kann eigentlich immer nur eine Person reden und die Teilnehmer*innen können sich nicht gut untereinander austauschen, während ich mit jemand anderem etwas mache. sind schon große Schwierigkeiten.

Wann findet der Kurs statt?

Jeden zweiten Samstag, immer ab 13:00 Uhr. Die Dauer ist immer ein bisschen offen. Wir hatten schon Sitzungen, die nur eine Stunde dauerten. Wir hatten aber auch schon Sitzungen, die über drei Stunden lang waren. Ich bin da relativ offen – so lang die Teilnehmer*innen Zeit und Lust haben.  

Der nächste Termin für den Workshop findet am
Samstag, 26.06.2021 ab 13 Uhr statt.

Meldet euch jetzt an unter: gianniduex@yahoo.de !

Comickurs-Flyer

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